Huaraches oder auch Barfußschuhe Schritt für Schritt selber machen

Hejsan,

Heute habe ich wirklich ein spannendes Thema für euch: die Huaraches oder auch Barfußschuhe. Ich möchte euch heute meine ersten selbstgemachten Barfußschuhe mit einer Schritt für Schritt Anleitung demonstrieren.

Aber erst möchte ich euch ein paar allgemeine Informationen über die Herkunft darüber geben.

Die Inspiration:

Die Inspiration war wie so oft meine allerliebste Freundin aus Dresden. Ich komme mit einen Thema oder einer Idee hat sie natürlich schon Informationen gesammelt. Wie immer Positiv für mich, denn sie kann mir alles erzählen und ein Nachmittag mit ihr ist reichlich gefüllt. Dennoch eine Recherche bleibt nicht aus, denn wenn ich euch in den nächsten Minuten eines sicherlich ausgefüllten Tages raube, möchte ich doch gern meine Arbeit richtig machen.

Also stellt sich die Frage: Woher kommen die Barfußschuhe oder auch Huaraches und warum sind sie plötzlich so populär?

Entdeckt wurden sie bei einer der ursprünglichsten Indianerstämme Mexikos den Tarahumara. Die Tarahumara sind bekannt (spätestens jetzt) für ihre unglaublichen Langstreckenläufe durch die gelegenen Gegenden ihrer Heimat. Sie legen eine unglaubliche Strecke bei Wettkämpfen oder der Jagd mit ihren Füßen zurück und das nur mit Sandalen, den sogenannten Huaraches. Wir nennen sie Barfußschuhe und die Tarahumara Huaraches. Die dünne gleichmäßige Sohle erzeugt einen natürlichen, bewussten Laufstil und kräftigt die Muskulatur so wie beim Barfußlaufen. Die Huaraches schützen die Tarahumara lediglich vor den Steinen und Dornen der ihnen auf den Weg begegnet. Die Technik des Laufens wird auch Ballengang genannt und so treten die Tarahumara anstelle mit der Ferse mit dem Vorderfuß auf. Es entsteht ein kleiner oder kürzerer Schritt und eine höhere Schritthäufigkeit. Das Ergebnis ist eine gesteigerte Laufleistungsfähigkeit und ein extremes Durchhaltevermögen. Kein Wunder das uns die Marathonläufer immer davon laufen. Kein Wunder das die Barfußschuhe oder Huaraches plötzlich so populär werden. Im übrigen wurden die Sandalen in den Anfängen von den Tarahumara ausschließlich aus Leder hergestellt, mittlerweile bedienen sie sich auch dem Gummi aus alten Autoreifen.

Mein Fazit: wenn ich lange und viel laufen will ohne meinem Rücken zu schaden, sollte ich Barfuß laufen. Es stärkt den Fuß und gewährleistet ein natürliches Abrollverhalten des Fußes.

Wie lerne ich das natürliche Abrollverhalten wieder, wenn ich Jahrelang Schuhe mit Absatz und dicker Sohle getragen habe und immer mit der Ferse auftrete?

Vermutlich wäre es angebracht mehr Energie darauf zu verwenden meinen Fuß zu stärken als zu viel Leidenschaft für den Schuhkauf zu ver(sch)wenden. Wir sollten vielleicht mehr Fußgymnastik machen und mehr den Fuß nutzen als ihn in einem viel zu engen Schuh mit etwas zu wenig Bewegungsfreiheit zu zwingen.

Hartmut Stinus sagte eins: „Der Fuß wird den ganzen Herbst und Winter wie ein Gefängnis in geschlossene Schuhe gesperrt.“ „Wenn man kann, sollte man den Fuß befreien und ihm etwas Frische Luft gönnen.“

Ich finde das klingt logisch und ich fühle mich auch im Sommer ohne Schuhe an den Füßen am wohlsten, wenn da nicht die Blicke und die Kritiker wären, denn überall Barfuß gehen ist einfach nicht erwünscht. Aber wie laufe ich nun richtig Barfuß oder in meinen Barfußschuhen?

Ich habe von meiner Freundin einen sehr guten Tipp zum Ballengang bekommen und darüber hinaus ein wenig recherchiert. Bei YouTube, Vimeo findet man unzählige Videos über den Ballengang und jeder sollte den richtigen und glaubwürdigsten für sich selbst finden. Ich kann euch jedoch schon einmal einen Link geben der euch einen kleine Einführung gibt über die ihr euren weg finden könnt. Das war mein Einstieg, https://www.youtube.com/watch?v=o5tPdDOoBxI, weiter ging es über dieses Video, https://www.youtube.com/watch?v=Iv5tdzeu_ik, welches ich auch sehr aufschlussreich empfunden habe und dann habe ich mich einfach weiter geklickt über unzählige Videos. Heute findet man unglaublich viel über den Ballengang und den Vorfußgang. Ich glaube wenn es euch interessiert, findet jeder das richtige für sich.

Das Herstellen seiner ganz individuellen Huaraches oder Barfußschuhe

Material welches du benötigst:

  • Vibram Sohlenplatte Supernewflex 8868, 4mm, schwarz (www.Extremtextil.de)
  • 2 x 1,60m Schnürsenkel
  • Leder
  • Lochzange
  • Feuerzeug
  • universeller Haftklebestoff (Kövulfix)
  • Papier, Stift, Schneiderkreide, Schere

Vorgehensweise:

  1. Nimm ein Blatt Papier und einen Stift! Stelle dich auf das Blatt Papier und verkrampfe dabei nicht mit dem Fuß und nutze dein gesamtes Gewicht. Zeichne deinen Umriss deines Fußes mit dem Stift. Mache dabei ein Punkt, zwischen dem großen und nächstliegenden Zeh. Der Stift sollte eng am zweiten Zeh und nah an der Stelle zwischen Groß- und Zweitzeh anliegen. Ein weiterer Punkt links neben dem großen Zeh wo er beginnt ein Zeh zu sein :-), danach machst du einen Punkt unterhalb deines großen Zehs nach dem Zehengrundgelenk, beim großen Zeh ist es meist eine kleine Wölbung nach außen. Auf der gegenüberliegenden Seite am kleinen Zeh machst du auch eine Punkt wo der kleine Zeh beginnt ein Zeh zu sein 🙂 und unterhalb nach dem Zehengrundgelenk des kleinen Zehs. Dann brauchst du noch einen Punkt unterhalb des Knöchel und auf der gegenüberliegenden Seite.

  2. Gib dem Fuß eine „Nahtzugabe von 5mm und zeichne es ein. Später können dann noch Korrekturen vorgenommen werden. Am Anfang lieber etwas großzügiger und später etwas korrigieren.

  3. Schneide dein Fußmuster aus und mache an der Stelle der Punkte mit der Lochzange Löcher ins Papier.

  4. Übertrage dein Fußmuster mit den Punkten auf deine Sohlenplatte.

  5. Schneide die Sohle mit einer scharfen Schere aus. Mach kleine Schneidebewegungen und nimm dir Zeit! Jetzt sind die Sohlen fertig und wir beginnen mit der Probeschnürrung.

  6. Mache mit der Lochzange die eingezeichneten Schnürlöcher in deine zugeschnittene Sohle.

  7. Nimm deinen 1,60m langen Schnürsenkel und versiegle die Enden mit einem Feuerzeug, wenn nötig.

  8. Mache die erste Schnürung (wie bei 19. beschrieben)

  9. Probiere deine Sandale und schneide eventuelle überstehende Sohlenteile passend zu, indem du sie vorher mit Schneiderkreide einzeichnest. Schau auch wie die längenverteilung deiner Schnürsenkel passt und ob es dir gefällt.

  10. Zieh den Schuh aus und löse deine Schnürung.

  11. Übernehme alle Änderungen auf ein Lederstück. Auch die Zwei Löcher links und rechts vom großen Zeh. Leder ist gut gegen Schweißfüße und so können wir unangenehme Gerüche verhindern.

  12. Fädele deine Schnürsenkel durch die zwei Löcher im Leder. Die länge des Schnürsenkels am inneren Loch sollte mindestend 45-60cm betragen. Das kannst du mit der Probeschnürung testen.

  13. Das Leder wird nicht zugeschnitten und innerhalb deiner Zeichnung und ca. 2mm hinaus mit dem Haftkleber eingestrichen.

  14. Dann bestreichst du deine Gummisohle mit dem Haftkleber innen.

  15. Es handelt sich um Kontaktkleber. Er sollte ein wenig einziehen und antrocknen bevor die beiden Teile unter Druck zusammengedrückt werden.

  16. Wenn so weit getrocknet, presse die beiden Teile richtig aufeinander. Ich habe mich auf die zu pressenden teile gestellt.

  17. Schneide mit einem Cutter das Leder an der Sohlenkante entlang aus.

  18. Mache anhand der bereits vorhanden Löcher in der Sohle mit der Lochzange die verbliebenen Löcher im Leder.

  19. Beginne mit der Kreuzschnürung. (Beschreibung für den rechten Fuß)

  • Nimm den langen Teil des Schnürsenkels und beginne bei Punkt 1 (rechts vom großen Zeh) und gehe unterhalb der Sohlenplatte entlang und komme bei Punkt 2 (links vom großen Zeh) wieder hervor. (diesen Schritt brauchst du nicht machen wenn du Leder auf die Sohlenplatte klebst, da wir da bereist diesen Schritt im Klebevorgang einbezogen haben.) Das Ende am Punkt 1 beträgt eine Länge zwischen 45 und 60 cm.

  • Von Punkt 2 geht es oberhalb des Barfußschuhs weiter zu Punkt 3.

  • von Punkt 3 geht es unterhalb zu Punkt 4. An diesem Punkt kommst du wieder nach oben.

  • Jetzt solltest du deinen Barfußschuh anziehen und alles weitere am Fuß binden.

  • Von Punkt 4 geht es zu Punkt 5, dabei solltest du darauf achten das du Punkt 5 über die Seite von unten durch fädelst, so dass du oben herauskommst.

  • Jetzt machst du 1-3 Schlaufen und gehst hinten an der Rückseite des Fußrückens/oberhalb der Ferse entlang zu Punkt 6. Diesen Punkt fädelst ebenfalls über die Seite von unten durch den Punkt 6 nach oben.

  • Jetzt machst du wieder 1-3 Schlaufen.

  • Zu Punkt 1 zurück nimmst du das kurze Ende und gehst von Punkt 1 zu Punkt 7 und fädelst den Schnürsenkel über die Seite von unten durch Punkt 7 nach oben. Hier reicht es eine Schlaufe zu machen.

  • Jetzt bist du fertig! (bis hier hin machst du deine Probeschnürung)

  • Ich wickel das lange Ende noch einmal um mein Fußgelenk Es geht aber auch ohne, dann müsste jedoch der Schnürsenkel an die Länge noch mal angepasst werden. Du kannst auch dein Schnürsenkel noch mit Bändern, Borten, Bommeln oder anderen weichen Material verzieren. Viel Spaß dabei!

Meine Pläne: Jeder wenn möglich sollte sich genau an die Beschreibungen und Anleitungen halten, denn ein zu schnelles erzwingen des Ballenganges kann auch Schäden verursachen. Ich habe Beispielsweise immer einen Tag Ballengang und einen Tag Fersengang praktiziert. Ich war nach jedem Tag Ballengang fix und fertig. Jetzt habe ich meine Routine geändert. Ich praktiziere den Ballengang zur Arbeit hin und nach Hause, Kinder zum Kindergarten bringen und abholen. In der Arbeit habe ich leider nicht so viel Zeit mich auch noch auf den Ballengang zu konzentrieren und so praktiziere ich da meinen alten Laufstil den Fersengang, genauso wie zu Hause. Es wird wohl mindestens ein Jahr oder mehr dauern bis ich diese alte Gewohnheit abgelegt habe und meine Füße wieder an anderer Stelle Kraft bekommen. Der Versuch ist es mir jedoch Wert, wenn ich in ferner Zukunft positives mitnehmen kann. Nebenbei mache ich auch noch Yoga was natürlich ein guter Ausgleich ist, da Stretchübungen bei solchen neuen Fussbelastungen Hilfreich ist und gleichzeitig noch einen positiven Effekt hat. Hier (https://www.yoga-vidya.de) habe ich vor mehr als 5 Jahren diesen Online Kurs, jetzt als App, gefunden, diesen Kurs kann ich nur jeden von euch der gern zu Hause Yoga praktiziert ans Herz legen. Du lernst nicht nur Yoga, hier findest du noch viel mehr und vielleicht genau dein Weg zur Ruhe, Ausgleich und Bewegung.

Ha det så bra!

Vivo

Verlinkt bei: Sonntagsglück – weil ich es endlich geschafft diesen Beitrag zu schreiben, Freebook Sommer, MeertjeCreadienstag, Hot, Dienstagsdinge

9 thoughts on “Huaraches oder auch Barfußschuhe Schritt für Schritt selber machen

  1. Annuschka

    Super beschrieben! damit wirst du den Hype noch ein wenig mehr anstacheln, was gut für uns Ambitionierte ist, weil umso mehr Angebot und Information kommt in Umlauf und all die Fragen die man sich so fragt, wenn man damit experimentiert werden geklärt werden und auch die Ärzte und Physiotherapeuten werden sich weiter bilden und anstatt Fußkrücken zu propagieren, wird der Minimalismus am Fuß gefördert ,fühlen und horchen auf die Körperintelligenz!

    1. Vivo la vita

      Vielen Lieben Dank, es war mein erstes großes Tutorial und jetzt versteh ich auch wieviel Arbeit in einem Tutorial steckt. Aber es hat unglaublich Spaß gemacht, besonders die Herstellung und ich freu mich wahnsinnig über das tragbare Resultat. Herzlich Vivo

  2. Judy

    Huhu, danke für die ausführliche Bescheibung. Der Beitrag ist jetzt schon etwas älter, aber weißt du zufällig noch was das für Schnürsenkel sind? Die sehen spannend aus! LG

    1. Vivo la vita

      Schön das du auf meinen Blog gefunden hast. Die Schnürrsenkel sind von Camper Schnürrsenkel, sehr stabil. Hoffentlich hilft dir das weiter und du findest sie im Internet.
      Viel spass beim Nachmachen!
      Herzlich Vivo

  3. Hans Sapei

    Halli Hallo,
    Danke für die nette Anleitung. Kann man die Schnürung eventuell auch so ändern, dass man ohne den Zehenteiler-Bund auskommt (den mochte ich noch nie so wirklich)?

    Ich weiß nicht, wie intensiv du dich noch mit dem Thema Ballengang beschäftigst, oder ob du überhaupt noch praktizierst, aber ich glaube dir ist da ein Irrtum unterlaufen.

    Man muss zwischen Gehen und Laufen unterscheiden: Beim normalen Gehen rollt der Mensch von Natur aus und das ist energetisch günstiger, also evolutionär sinnvoller, über die Ferse ab.

    Beim Laufen/Rennen ist das aber was anderes. Die Technik der Tarahumara bezieht sich eben darauf, optimalerweise setzt man hier zuerst den Ballen auf. Hier haben moderne, gepolsterte Sportschuhe viel Schaden angerichtet.

    Dazu mal eine Seite, die das ganze sehr ausführlich beschreibt: https://www.barefoot-academy.com/2017/12/30/der-ballengang-ist-nicht-die-natuerlich-praeferierte-gangart-des-menschen/

    LG

    1. Vivo la vita

      Vielen Dank für die Seite ich werde mir das mal genau durchlesen, da ich nach diesem Beitrag noch weitere Tipps bekommen habe.
      Ansonsten habe ich keine weitere Schnürung für dich. Das nächste wird auch eher ein Halbschuh. herzlich Vivo

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